Ayurveda-Reinigungskur

Ayurveda-Reinigungskur

Ayurveda-Reinigungskur


Jedes Frühjahr startet im ayurvedischen Jahreskalender ab Ende Februar die beste Zeit für Fasten- und Reinigungskuren. Hier befreit sich der Körper auf natürliche Weise von seinen im Winter angesammelten Schlacken und gewinnt neue Vitalität und Leichtigkeit. Dabei ist langhana, die erleichternde Vorgehensweise, ein wunderbares Instrument der Selbstbehandlung, um den Stoffwechsel zu stärken und einen umfassenden Umbau der Gewebe zu initiieren.

Zum Abnehmen jedoch ist eine Fastenkur nicht das ausschließliche Allheilmittel. Zwar baut der Körper während der Fastenzeit Substanz (Kapha) ab und verliert an Gewicht und Umfang, doch sobald wir wieder mit dem Essen beginnen, geht der Anzeiger auf der Waage erneut nach oben. Es sei denn, wir starten nach dem Fastenprogramm mit einer gezielten Diät, die den Gewebsumbau, bzw. -Abbau nun weiter voran bringt. Denn die Reinigung bereitet nur den optimalen Nährboden für die darauf folgende Heildiät.

Der Ayurveda verfolgt mit der Erleichterungstherapie verschiedene Ziele: Das Verdauungsfeuer (Agni) stärken, um Stoffwechselschlacken (Ama) zu beseitigen. Die Zirkulationskanäle (Srotas) öffnen, um neue Bewegung und Versorgung in den Zellstoffwechsel (Dhatvagni) zu bringen. Auf der psycho-mentalen Ebene stärken Reinigungsprozesse den Selbstausdruck im Raum (Äther) und ermöglichen tiefe Selbsterkenntnisse und Ablösungsprozesse von alten Mustern und Abhängigkeiten.

 

Entlastungskuren mit und ohne Essen

Je nach Konstitution empfiehlt Ayurveda unterschiedliche Kuren: Von ganz streng nur mit heißem Wasser, Ingwertee und etwas Reisbrühe für Kapha-Typen bis zu leichten „Suppen-Kuren“ mit drei kleinen, warmen Mahlzeiten am Tag für Vata-Typen.  Wichtig dabei ist immer, dass der Organismus zur Ruhe kommt und kein Stress oder Aufregung den Entgiftungsprozess behindern.

Die unterschiedlichen Rezepturen der ayurvedischen Fasten- bzw. Diätküche heißen Manda, Peya, Vilepi und Khichari. Dabei ist Manda, das Reiswasser die klassische „Entlastungsspeise“, welche durch ihre leichten und ausgleichenden Eigenschaften die intensivste Wirkung zur Entgiftung hat. Wer hingegen etwas mehr Stabilität in seinem Reinigungsprozess benötigt, der sollte während seiner Fastentage etwas Peya zu sich nehmen. Die dünne Reissuppe stärkt die Doshas (Körper-Regulatoren) und Agni (Stoffwechsel) und wirkt mit der Zugabe von speziellen Gewürzen auch gegen vielerlei Beschwerden.

Ergänzt werden diese dünnen Reisbrühen während der Fastenkur mit Ingwerwasser am Morgen sowie Kräutertees, verdünnten Fruchtsäften und viel heißem Wasser verteilt über den ganzen Tag.

Nach den Entlastungstagen stärken wir den Körper wieder mit Vilepi und Khichari. Vilepi ist eine dicke Reissuppe, welche als klassische Heilkost verabreicht wird und den Agni anfeuert. Die Caraka Samhita, das wichtigste Ayurveda-Lehrbuch beschreibt 30 verschiedene Vilepi-Rezepte zur Behandlung von verschiedenen Beschwerden. Mit Khichari einem Gericht aus Reis, Linsen und Gemüse schließt die Kur ab.

 

Rezepte

Heißes Wasser / Ingwerwasser

1 Liter Wasser
evtl. 2 Scheiben frischer Ingwer (0,5 cm breit)

Heißes Wasser, bzw. Ingwerwasser sollte mindestens 15 Minuten im offenen Kochtopf abgekocht werden. Dies stärkt die leichten, reinigenden und auskratzenden Eigenschaften.

 

Manda – Reiswasser

2 EL Reis
560 ml Wasser
Einen Topf

Den Reis in einem Topf (ohne Fett) unter Rühren leicht anrösten. Das Wasser zufügen und für 45 Minuten köcheln lassen. Das Wasser absieben und auffangen. Das Reiswasser über den Tag verteilt im Wechsel mit heißem Wasser oder Ingwerwasser trinken.

 

Peya – dünne Reissuppe

1 Teil Reis
14 Teile Wasser

Reis und Wasser für 45 Minuten köcheln lassen. Die Reissuppe mit etwas Steinsalz und evtl. Gewürzen abschmecken.

Einsatz von Gewürzen in der Reissuppe:

  • Cumin bei Schweregefühl
  • Zimt und Pfeffer bei Asthma
  • Kardamom bei Übelkeit
  • Ajwein und Hing bei Vata-Störungen
  • Koriander und Kardamom bei Pitta-Störungen
  • Ingwer, schwarzer Pfeffer und Basilikum bei Kapha-Störungen

Vilepi – dicke Getreidesuppe

1 Teil Getreide
4 – 5 Teile Wasser oder Kräuterabkochung

Das Getreide im einem Topf (ohne Fett) unter Rühren leicht anrösten. Das Wasser zufügen und so lange köcheln lassen, bis das Getreide ganz weich ist.

 

Ablauf einer Entlastungskur

Ein Ayurveda-Fastenprogramm dauert üblicherweise eine Woche und beinhaltet 3 Fastentage, einen Vorbereitungstag und drei Aufbautage. Eine liebevolle Umgebung und Betreuung, warme Kleidung und viel Bettruhe sind die Grundvoraussetzung für diese harmonische, effektive und vitalisierende Kur. Ältere oder kranke Menschen sollten ein Fastenprogramm nicht ohne Absprache mit einem verantwortlichen Ayurveda-Arzt, Therapeuten oder Ernährungsberater durchführen.

 

Der Einleitungstag

ist ein Entlastungstag und dient zur Vorbereitung auf die intensiven Fastentage. Wir kommen zur Ruhe und bereiten den Körper auf seine tiefgreifende Reinigungsarbeit vor. Ein stoffwechselanregendes Bewegungsprogramm, reinigende Maßnahmen der ayurvedischen Morgenroutine und warme Ölmassagen sind die ideale Einstimmung für diesen Tag: Stehen Sie früh auf und starten Sie ihren Tag mit heißem Ingwerwasser und ayurvedischer Morgenroutine. Harmonisieren Sie Körper und Geist mit einem angemessenem Yoga- und Meditationsprogramm.

Nutzen Sie den Einleitungstag, um viel zu trinken und sich auszuruhen. Mittags- oder Tagesschlaf sollten Sie allerdings unter allen Umständen vermeiden. Diese  erhöhen das Kapha-Dosha und behindern den Ausleitungsprozess.

Die Nahrung während des Einleitungstages sollte aus leichten Gemüsen, Getreiden und Khichari bestehen. Sehr gut bekömmlich sind gekochter Reis, Mungdal und dazu ein Fenchel-, Kürbis- oder Rote-Bete-Gemüse am Mittag sowie eine kräftige Gemüsesuppe am Abend. Als Gewürze können Salz, Kreuzkümmel, Ingwer, Koriander und etwas Hing den Geschmack und die Bekömmlichkeit der Speisen verbessern.

 

Die Reinigungstage

bestehen normalerweise aus 3 Fastentagen. Diese Hauptphase der Entschlackungskur ist für den gesamten Organismus sehr anstrengend. Bleiben Sie an diesen Tagen im Hause und vermeiden Sie körperliche und geistige Anstrengung und den Umgang mit anderen Menschen.

Während der Reinigungstage nehmen wir ausschließlich warme und flüssige Substanzen zu uns. Je nach Konstitution oder Bedürfnis können die Getränke von sehr leicht (Wasser, Ingwerwasser und Reiswasser) bis leicht-stärkend (Wasser, Ingwerwasser, Reissuppe) variieren, welche generell im halbstündigen Rhythmus eingenommen werden.

 

Tagesplan für Reinigungstage

Uhrzeit

Empfehlungen

 7.00

Gleich nach dem Aufstehen 2 Gläser warmes, abgekochtes Wasser trinken, wenn möglich den Darm entleeren und den Mund, Zunge und Zähne mit der ayurvedischen Morgenroutine reinigen

 7.30

Yoga- und/oder Meditationsprogramm

 8.00

Selbstmassage mit Sesamöl und/oder erweitertes Yoga-Meditationsprogramm

 8.30

1 Tasse Ingwertee mit etwas Honig

 9.00

1 Glas warmes Wasser trinken

 9.30

Manda-Reisbrühe

10.00

1 Glas warmes Wasser trinken

10.30

Manda-Reisbrühe

11.00

1 Glas warmes Wasser trinken

11.30

Manda-Reisbrühe

12.00

1 Glas warmes Wasser trinken

12.30

Manda-Reisbrühe*

13.00

Entspannen Sie sich, aber machen Sie keinen Mittagsschlaf

13.30

1 Glas warmes Wasser trinken

14.00

Manda-Reisbrühe

14.30

1 Glas warmes Wasser trinken

15.00

Manda-Reisbrühe

15.30

1 Glas warmes Wasser trinken

16.00

Trinken Sie einen typgerechten Kräutertee mit Honig

16.30

1 Glas warmes Wasser trinken

17.00

Manda-Reisbrühe

17.30

1 Glas warmes Wasser trinken

18.00

Manda-Reisbrühe*

18.30

Nun nur noch trinken, wenn Sie wirklich durstig sind

19.00

Den Tag ausklingen lassen, entspannen, meditieren...

20.00

Massieren Sie Ghee oder Johanniskrautöl in Ihre Füße ein.

 

*Alternativ können in einer abgeschwächten Kur zur Mittagszeit um 12.30 und am Abend um 18.00 Uhr auch ein Vilepi oder Kichari gegessen werden.

 

Die Aufbautage

sind für unseren empfindlichen und sensiblen Stoffwechsel äußerst wichtig. Sie gehören ebenso zur Fastenkur wie die Reinigungstage zuvor und entscheiden maßgeblich über den langfristigen Erfolg des Kurprogramms. Die schwierigste Herausforderung der gesamten Kur ist es nun, während der Aufbautage nicht zu viel zu essen. Denn sobald wir in den Aufbautagen den Magen überladen, überfordern wir das Verdauungssystem und die Neubildung der Dhatus bricht zusammen, da der Agni nun streikt. Am 1. Aufbautag sind maximal 1/4 der gewohnten Nahrungsmenge erlaubt (ca. 1/2 Hand voll pro Mahlzeit). Am 2. Aufbautag können wir schon die doppelte Menge verdauen (ca. die Hälfte der gewohnten Nahrungsmenge) und am 3. Aufbautag ist 3/4 der gewohnten Nahrungsmenge gut verträglich.

Als optimale Heilkost wird in den Aufbautagen ein Khichari mit Reis, Linsen und Gemüse zubereitet. Für diesen gibt es unzählige Rezepte, in denen die Hülsenfrüchte und Gemüsesorten je nach Konstitution und Beschwerdebild unterschiedlich ausgewählt werden. Am besten allgemein verträglich sind Basmatireis, Mungo-Bohnen und süße Gemüse wie Karotte, Fenchel. Kürbis oder Rote Bete.

Wichtig bei der Zubereitung ist die Zugabe von genügend Fett (Ghee oder Sesamöl), Salz und etwas Zitronensaft, um die Verträglichkeit der Hülsenfrüchte zu gewährleisten.

 

Grundrezept Khichari

50g Basmati-Reis
50 g gelbe Mungobohnen
500 ml heißes Wasser
1 TL Ghee
1 dünne Scheibe frischer Ingwer
1/2 TL Cuminsamen
1/2 TL Ajwein
11 MS Hing
1/2 TL Salz
1-2 TL Zitronensaft

  1. Den Reis und die Mungo-Bohnen unter fließendem Wasser waschen
  2. Ghee in einen Topf erhitzen, Gewürze hinzufügen und anrösten. Reis und Mungobohnen zufügen und ebenfalls kurz anrösten.
  3. Nun das heiße Wasser aufgießen und mit den anderen Zutaten aufkochen.
  4. Im geschlossenen Kochtopf ca. 40 Minuten sanft köcheln lassen.
  5. Salz und Zitronensaft zufügen.